Unterschiede zwischen den Benzinsorten E5 und E10 aus Sicht des Autofahrers
Sachliche Betrachtung
Leserbrief an die
Lingener Tagespost vom 8.3.2011
Es kommt hin- und wieder vor, daß mich die Diskrepanz
zwischen Aussagen aus diversen in Tageszeitungen (ab)geschriebenen Texten
mit Fakten, die jedermann leicht nachvollziehen kann, ärgert.
Diesmal geht es um die Aussagen: „Der herkömmliche Sprit (E5) mit fünf Prozent
Alkohol ist rund acht Cent pro Liter teurer. Diesen Preisvorteil machen auch
die anderthalb Liter Mehrverbrauch, mit denen man bei E10 rechnen
muß, nicht zunichte“ (Lingener Tagesport
vom 8.3.2011, Seite 2 oben rechts).
Was ist denn wahr an diesen Aussagen?
Erstens sah ich bisher keine Tankstelle, die beide oben genannten Treibstoffe
mit einem Preisunterschied von mehr als 4 Ct.
anbieten würde. Wichtiger ist jedoch die Frage, welche Preisdifferenz und
welche Verbrauchsdifferenz den Gegebenheiten Rechnung tragen dürften?
Großhandelspreise von Alkohol werden wohl nicht mehr als 80
ct./l betragen, wenn man Bioalkohol an deutschen Tankstellen für ca.
1 EUR/l kaufen kann. Der Großhandelspreis für Superbenzin E5 dürfte derzeit
bei ca. 65 ct./Liter liegen. Die Beimischung
von zusätzlichen 5% Alkohol hebt die Herstellkosten von E10 im Vergleich
zu E5 bei genannten Literpreisen also um weniger als 1
Ct/Liter zulasten von E10 an, was leicht nachzurechnen ist. Restliche
Preisbewegungen sind ausschließlich durch die Steuerpolitik der Regierung
und die Preispolitik der Mineralölkonzerne verursacht.
Wie ist es mit dem zu erwartenden Mehrverbrauch? Datenquellen im Internet
(hier Wikipedia) und in Fachbüchern kann man
unschwer entnehmen, daß der Heizwert von Benzin
bei ca. 8,5 kWh/l liegt, der vom Alkohol 96%-
tig dagegen nur bei 5,8 kWh/l. Der Heizwert
ist der Energie proportional, die ein Auto in
Bewegung hält. Der Heizwert-Vergleich von Treibstoff E10 zu E5 ist ebenfalls
einfach zu rechnen so wie die begründbare Preisdifferenz: E5 kommt auf 8,365
kWh/l, E10 auf 8,23 kWh
/l. E10 dürfte also im Vergleich zu E5 einen Mehrverbrauch von 1,16% bzw.
beim Fahrzeug beispielsweise mit 8 l/100 km Verbrauch (E5) einen Mehrverbrauch
von 0,13 l/100 km verursachen, keineswegs aber die in LT angegebenen „“anderthalb
Liter“. Da hat sich der dpa-Redakteur offensichtlich im Komma vertan!
Zum Stichwort „Motorschäden“ kann wohl am besten der Hersteller Ford Auskunft
geben: In Deutschland werden seit mehreren Jahren Flexifuel
-Modelle in Stückzahlen von weit über 10.000 jährlich verkauft, die für den
Einsatz beliebiger Benzin-/Alkohol-Mischungen zugelassen sind. Brasilien
ist Deutschland diesbezüglich weit voraus: Dort ist eine Vielzahl dieser
Fahrzeuge seit Jahren auch mit reinem Alkohol unterwegs. Wer glaubt schon,
daß Ford Fahrzeug-Rückrufe wegen Motorschäden
durch Bioalkohol riskieren würde?
Fazit: Ich werde künftig E5 tanken, solange der Preis maximal um 3
Ct/Liter höher als der Preis vom E10 liegt. E10 ist die wirtschaftlich
bessere Wahl, wenn dieser 3 Ct. oder billiger
ist als der E5. Das betroffene Fahrzeug ist vom Hersteller für E10-Nutzung
freigegeben – das sollte jeder Autofahrer natürlich klären.